31.01.2017

Retail reloaded – die Zukunft des Handels ist digital

Werden wir künftig zum Einkaufen noch in einen Shop gehen? Und, wenn ja, wer berät uns dort? Oder stecken wir schon mitten in einem Paradigmenwechsel hin zu ganz neuen Geschäftsmodellen? Mit diesen Fragen hat sich kürzlich eine Studie des Österreichischen Handelsverbandes auseinandergesetzt. Eines gleich vorweg: Die Beratung durch Menschen im Shop ist immer noch wichtig aber sonst bleibt kein Stein auf dem anderen, denn digitale Werbeformen sind ganz klar die Schlüsseltechnologie für künftigen geschäftlichen Erfolg.

Mächtiges Online-Geschäft

Zwei Drittel der österreichischen Internetnutzer kaufen zumindest einmal im Monat über das Internet ein, jeder Vierte sogar mehrmals pro Monat – vorausgesetzt die Ware kommt portofrei ins Haus. Denn für mehr als 40 Prozent der Internetkäufer ist eine kostenfreie Lieferung der wichtigste Grund für einen Online-Kauf. Verlässliche Zustelltermine und eine kostenlose Rücksendemöglichkeit werden ebenso vorausgesetzt. Wie das geht, macht Amazon vor. Der Online-Riese dominiert den Markt in beeindruckender Art und Weise. Eine Untersuchung von Slice Intelligence über das Weihnachtsgeschäft 2016 zeigt: Satte 38 Prozent aller Weihnachtseinkäufe wurden im vergangenen Jahr über Amazon getätigt und die Site hat laut Raymond James Research Damit verlieren die Wettbewerber immer mehr den Zugang zur jungen Zielgruppe. Doch was tun?

Digitalisierung macht den Shop zum Gesamterlebnis

Die Digitalisierung eröffnet für den Einzelhandel viele Möglichkeiten, dem Kunden ein Shopping-Erlebnis der besonderen Art zu bieten. Auf spielerische Weise lassen sich Online-Lösungen mit dem Einkauf im Geschäft verbinden, beispielsweise über „Endless Aisle“ – das endlose Verkaufsregal. Diese digitale POS-Lösung sorgt dafür, dass Kunden im Geschäft auch das kaufen können, was gerade nicht auf Lager ist. Ein Multitouch-Panel verlängert das Verkaufsregal dabei in den virtuellen Raum. Alles, was nicht vor Ort verfügbar ist, bestellt der Kunde selbst sofort online. Ein oder zwei Tage später kann er es dann zuhause in Empfang nehmen.

Shopping Erlebnis „Autonomes Einkaufen“

Beim Shopping-Erlebnis der Zukunft spielen also Technologien für sogenanntes „Autonomes Einkaufen“ eine große Rolle. Auch Adidas setzt das in seinen Shops, etwa in Form einer „Virtual Wall“, erfolgreich um. Via Touchscreen können Konsumenten hier detaillierte 3D-Produktbilder von Schuhen aus virtuellen Regalen aussuchen, sie aus jedem Blickwinkel begutachten, drehen und sich zusätzliche Informationen anzeigen lassen. Dazu bietet die Virtual Wall auch Videos und Live-Tweets zu ausgewählten Themen.

In der Studie des Handelsverbandes wird Autonomes Einkaufen übrigens auch für Österreich sehr gut bewertet. Fast 60 Prozent der Befragten schätzen das Szenario in den kommenden acht Jahren als realistisch bzw. sogar sehr realistisch ein.
Der Kunde hilft sich also ganz gerne selbst. Aber brauchen wir dann 2025 überhaupt noch einen Verkäufer im Shop?

Einkaufen per Knopfdruck

Stellen Sie sich vor, das Toilettenpapier wird knapp und Sie müssen nur rasch auf einen Knopf drücken und am nächsten Tag wird automatisch eine neue Großpackung geliefert. Der Knopf dafür befindet sich dabei übrigens gleich neben der Klobürste oder wo immer sie ihn gerne haben möchten. Auf diese Weise funktioniert automatisiertes Einkaufen über den Amazon-Dashbutton schon heute, und über 40 Prozent der österreichischen Internetnutzer finden dieses Szenario für sich persönlich durchaus realistisch. Bleiben die Geschäfte also bald leer, weil sich der Kunde seinen ganz individuellen Point of Sale in einer Ecke seiner Wohnung einfach an die Wand klebt? Man darf gespannt sein.

Persönliche Beratung + Digitale Assistenten

Menschen mögen auf jeden Fall immer noch persönliche Beratung. Obwohl sich bereits mehr als ein Drittel der Österreicher vorstellen kann, mit einem digitalen Assistenten einzukaufen, bevorzugt die Mehrheit noch einen menschlichen Berater bzw. eine Kombination von Mensch und Maschine. Intelligente Assistenten wie Siri, Cortana oder Alexa Entwicklungen klopfen jedoch bereits an die Shop-Tür. Sie werden in naher Zukunft den Kauf von Produkten und Services per Interaktion („Conversational Commerce“) standardisieren und Kaufentscheidungen maßgeblich beeinflussen. Das kann auch ein Vorteil für die Retailer sein: Denn die intelligenten Assistenten kennen die Gewohnheiten und Wünsche ihrer Nutzer und verraten sie an die, die bei der Digitalisierung ganz vorne mit dabei sind. Damit können die Kunden nicht nur langfristig gebunden sondern auch im Shop mit maßgeschneiderten Angeboten verwöhnt werden. Doch, egal, welcher Trend sich letztendlich durchsetzt, die kommende Konsumentengeneration wird Technologie im Shop ganz selbstverständlich einfordern. Deshalb ist es höchste Zeit, digitale Lösungen zu integrieren, die nicht nur Erwartungen und Bedürfnissen des Konsumenten erfüllten, sondern auch gleich neue Wünsche wecken.